vom Feld Repetitorium

Sachverhalt - Beispiel

Naturburschen

Bürgerliches Recht



Teil 1


Seit mehreren Jahren geht A mit einer Gruppe Naturbegeisterter im Wald campen. Sie alle sind professionell ausgerüstet mit hochwertigem Camping-Zubehör. Am 09.06.2014 zieht das Sturmtief Ela über Nordrhein-Westfalen. Währenddessen ist die Gruppe auf einem ihrer Ausflüge im Nationalpark Eifel unterwegs. Gruppenmitglied C besitzt drei wertvolle Huskies, die er gerne auf die Wanderungen mitnimmt, so auch an besagtem Junitag. Der Sturm überrascht die Gruppe am frühen Morgen. Eine Eiche kann dem starken Wind nicht standhalten und kracht auf den Verschlag, welchen die Gruppe für die Hunde aus Brettern und Laub gebaut hat. Die Hunde werden eingeklemmt. Bei dem Versuch, den Hunden zu helfen, entfernt B eine Zeltstabilisierungsstange des A aus dessen Zelt im Wert von 50,00 EUR und stabilisiert damit den Verschlag. B kann zwei Hunden helfen, bevor die Stange zerbricht und der Baum den letzten Hund unter sich begräbt. Außerdem wird C von einem abgebrochenen Ast schwer am Kopf verletzt. Wenig später stürzt ein weiterer Baum auf das Zelt des A und zerstört es mitsamt den übrigen Stabilisierungsstangen vollständig.


Während A damit beschäftigt ist, sein Eigentum vor dem Sturm in Sicherheit zu bringen, nimmt B sich ohne seine Erlaubnis die Wagenschlüssel des A, um C in ein Krankenhaus zu bringen. Für den Ausflug hatte sich A einen Geländewagen gemietet. Alle anderen Wagen stecken in tiefem Schlamm fest und lassen sich nicht mehr fahren. Das Auto bringt B erst Stunden später, nachdem sich der Sturm gelegt hat, zurück. Für die verspätete Rückgabe muss A dem Mietservice einen Aufschlag von 100,00 EUR zahlen. B verweigert die Forderung des A, ihm 150,00 EUR zu erstatten und verweist ihn stattdessen auf C.


Teil 2


Dem C steht eine mehrtägige Geschäftsreise bevor, weshalb er B am 15.07.2014 sein neues Zwei-Personen-Kuppelzelt (Wert: 600,00 EUR) zur Aufbewahrung überlässt. C hat das Zelt als Geschenk für seine Frau gekauft und will nicht, dass sie es während seiner Abwesenheit findet. Als Aufwandsentschädigung erhält B 20,00 EUR von C.


Um seiner neuesten „Eroberung“ zu imponieren, plant B am 18. und 19.07.2014 ein romantisches Wochenende im Wald. Dazu nimmt er das Zelt des C mit. Der Ausflug kommt bei der Partnerin des B allerdings nicht so gut an wie erhofft. Nach einigen Stunden im Wald kommt es zum Streit, und die „Herzensdame“ reist wieder ab. Aus Frustration zerstört B das Zelt, welches für ihn Symbol der doch gerade verlorenen Zweisamkeit ist. C erfährt bei seiner Rückkehr von dem demolierten Kuppelzelt. Die Ansprüche auf Schadensbegleichung „überschreibt“ C dem A am 04.02.2015. Am darauffolgenden Tag verlangt A Zahlung von 600,00 EUR gegenüber B. B lehnt dies jedoch mit der Begründung ab, dass zwischen ihm und C noch ein Kaufvertrag über eine Kletterseilausrüstung im Wert von ebenfalls 600,00 EUR vom 01.02.2015 bestehe; C habe – was zutrifft – den Kaufpreis aber noch immer nicht gezahlt. B behauptet daher, seine Schulden seien „getilgt“, und er sehe nicht ein, warum er den Betrag erneut zahlen solle. Außerdem habe er – was zutrifft – bislang nichts von der Überschreibung der Ansprüche von C auf A gewusst. A meint, seine Forderung sei unabhängig von dem Kaufvertrag zwischen B und C, und verlangt dennoch „sein“ Geld.


Um B auf Zahlung von 750,00 EUR zu verklagen, schickt A am 01.07.2015 an das für alle geltend gemachten Ansprüche örtlich und sachlich zuständige Amtsgericht eine Klageschrift. Sowohl A als auch B werden ordnungsgemäß unter Beachtung aller Fristen zu einem Termin am 01.08.2015 geladen, bei dem eine Güteverhandlung stattfinden soll. Das persönliche Erscheinen beider Parteien wird angeordnet. Außerdem werden beide zu einer mündlichen Verhandlung an demselben Tag gebeten. Die Ladung erfolgt rechtzeitig und ordnungsgemäß. Die Klageschrift mitsamt Ladung erhält B ebenfalls ordnungsgemäß. Ihm wird eine Frist zur Klageerwiderung gesetzt. Innerhalb dieser Frist weist er alle Behauptungen des A zurück, bis auf diejenigen über den mit C geschlossenen Kaufvertrag. B erscheint weder zur Güteverhandlung noch zu der anschließenden mündlichen Verhandlung. A besteht vehement auf „Durchsetzung“ seiner Forderung, unabhängig davon, ob B erschienen sei oder nicht.


Wie wird das Gericht entscheiden?



Bearbeitervermerk

Sollten Sie zur Unzulässigkeit der Klage kommen, ist ein Hilfsgutachten zu den materiellen Fragen zu erstellen. Gehen Sie davon aus, dass zwischen den Beteiligten keine Gesellschaft bürgerlichen Rechts oder eine sonstige Personengesellschaft besteht.




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